COMPOSITE-MECHANIKER BEI DER ARBEIT!

World Endurance ChampionshipTOYOTA GAZOO Racing beschäftigt drei Composite-Mechaniker, die dem Team an der Rennstrecke zur Hand gehen. Wir baten den leitenden Composite-Techniker Robert uns seinen Job, der sehr spezifisch ist und hohe Präzision verlangt, ein wenig näher zu beschreiben. Lasst uns in seine Welt eintauchen…

Was sind Karbonfasern?

„Karbonfaser ist ein starkes Material, das gleichzeitig sehr leicht ist. Es wird dazu benutzt Verbundstoffe in allen erdenklichen Anwendungen zu verstärken, wo hohe mechanische Kräfte einwirken und Gewichtsreduktion eine Rolle spielt. Motorsport ist hierfür das beste Beispiel. Meine Arbeit ist es die Karosserieteile des Autos vorzubereiten. So ziemlich alles, was man vom TS040 HYBRID von der Nase bis zum Heck sieht, ist aus Karbonfaser.”

„Im Werk bauen wir alle Einzelteile selbst, die Flügel, die Karosserie, die Seitenteile, einfach alles. An der Strecke modifizieren wir wenn erforderlich einzelne Bauteile und reparieren jene, die im Einsatz beschädigt werden. Natürlich kann nicht immer alles repariert werden, generell können wir die Mehrzahl der beschädigten Teile aber richten. Bei einem so schweren Unfall, wie ihn Kazuki in Spa hatte, ist das allerdings unmöglich.”

Stehen unbegrenzt viele Teile zur Verfügung?

„Nein, sicher nicht. So viele Sätze der Karosserie bereiten wir während der Saison nicht vor. Wir nehmen üblicherweise ein paar Ersatzteile für jedes Auto an die Rennstrecken mit, zumindest was die größeren Bauteile angeht. Nach dem Rennen nehmen wir Servicearbeiten vor und prüfen, ob etwas beschädigt wurde. Ist etwas kaputt, wird es entweder ersetzt oder repariert. Entschließen wir uns zu reparieren, dann gehen wir mit entsprechender Sorgfalt vor, denn der Kleber sowie zusätzliche Karbonfaser könnte das Gewicht erhöhen und wir wollen ja nicht, dass das Auto schwerer wird.”

Was geschieht vor einem Rennen und während des Rennwochenendes?

„Sobald die Teile im Werk hergestellt sind, organisieren wir die Verschiffung zur nächsten Veranstaltung, was nicht immer eine leichte Aufgabe ist. Wir müssen entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen, dass die Teile während des Transports nicht beschädigt werden. Was die Rennen selbst angeht, so beginnt die Arbeit bereits Anfang der Woche, wenn wir von den Ingenieuren die Abstimmungswerte der Autos erhalten. Üblicherweise werden Änderungen an Front und Heck vorgenommen, manches wird eingestellt, anderes wird an der Aerodynamik geändert. Das ist ganz normal. Manchmal wird vor Ort an der Rennstrecke im letzten Moment noch etwas modifiziert, d.h. wir müssen auf die Gegebenheiten flink reagieren.”

…und während dem Rennen selbst?

„Wenn es zum Start geht, sollte alles fertig sein. Dann wenden wir uns einem anderen Teil des Jobs zu: die Boxenstopps. Weil alle Karosserieteile dann schon fix und fertig einsatzbereit sind, werden wir in die Boxenarbeit eingebunden. Ich selbst betreue den Fahrerwechsel, ich zurre den Gurt des Fahrers fest und tausche die Trinkflasche aus. Insgesamt sind wir ja drei Jungs, die im Verbundstoff-Bereich tätig sind, während dem Rennen ist ein weiterer mit Reifenwechsel betraut und der Dritte hilft beim Nachtanken.

Und was ist mit Le Mans?

„In Le Mans, da gehen die 24 Stunden schon sehr auf das Material. Nach einem 24-stündigen Renneinsatz steht quasi der große Kundendienst an! Wir haben jedoch bei den sogenannten Langstreckentests bereits alles ausprobiert und die Teile waren danach OK. Le Mans ist schon etwas ganz besonderes und ganz anders, als die restlichen Rennen. Von Anfang bis Ende, von der Abstimmung und wie wir diese erarbeiten, es ist alles sehr eigen bei diesem Rennen. Der Druck ist höher, weil sehr viel mehr Leute zuschauen. Das ist wirklich ein ganz besonderes Rennen, eben eine Legende.