Mit TMG United durch die Grüne Hölle – Ring Taxi-Fahrer Oskar Sandbergs 24h-Rennen-Tagebuch

  • Erstes Rennen für TMG United beim ADAC Zurich 24h-Rennen
  • Wetterbedingungen und Unfälle stellten große Herausforderungen
  • Respekt und Anerkennung für alle TMG United-Teammitglieder

Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring liegt nun hinter uns und was für ein Rennen das war! Die Veranstaltung ist ohnehin etwas Besonderes, aber dieses Jahr war es für mich noch einmal eine völlig neue Erfahrung, denn ich ging für TMG United an den Start. Dabei handelt es sich um ein Team aus Mitarbeitern der TOYOTA Motorsport GmbH, die aus purer Leidenschaft in ihrer Freizeit Motorsport betreiben.

TMG United wird von Jörg Mertin und Andre Haun geleitet, die – wie auch ihre Kollegen – bereits über reichlich Motorsporterfahrung verfügen. Bemerkenswert ist aber ihre Motivation und ihr Können, obwohl keiner von ihnen je zuvor die 24 Stunden auf dem Nürburgring bestritten hat!

Die erste Herausforderung wartete bereits, als ich meine Teamkluft am Firmensitz in Köln abholte. Dort galt es zunächst, die strikte Überprüfung durch die Werkssicherheit zu bestehen. Erst danach durfte ich zur Anprobe inmitten der Fahreroveralls von Fernando Alonso, Sébastien Buemi und weiteren TOYOTA-Le-Mans-Fahrern schreiten. So ein wenig kam schon da das Gefühl auf, Teil eines größeren Klubs von TMG‘s 24h-Fahrern zu sein.-

Für die vier diesjährigen TMG United-Fahrer, also Alex Fielenbach, Adrian Brusius, Lars Peucker und mich, begannen die Vorbereitungen am Mittwoch an der Rennstrecke mit einer entspannten technischen Einführung und endeten mit anschließendem Grillabend zur Teamzusammenführung. Soweit so entspannt.

TMG United-Stammfahrer Alex wurde die Ehre zugeteilt, am Donnerstag vor dem Rennwochenende die ersten Trainingsrunden mit unserem GT86 CS-Cup zu absolvieren. Wenig überraschend, dass seine Rundenzeiten deutlich schneller waren als die 20 Minuten, die wir zuvor bei der Streckensichtung in einem Toyota Proace gebraucht hatten. Wir schlossen die Trainingssitzung als schnellstes Auto in unserer Klasse SP3 ab und alle Fahrer kamen gut zurecht, nicht zuletzt dank der perfekten Vorbereitung durch das Team.

Doch nicht nur das Team war klasse, auch der GT86 CS-Cup-Rennwagen war fantastisch. Er erlaubt höhere Kurvengeschwindigkeiten als die meisten Autos, die ich bislang auf der Nordschleife gefahren bin, und verhielt sich dabei völlig neutral. Ich konnte im Prinzip von Anfang an attackieren und am Limit fahren – das war Liebe auf den ersten Blick.

Im Qualifying bei Nacht flimmerte nach 25 Kilometern auf freier Strecke meine Rundenzeit mit 10:03 Minuten über die Bildschirme, eine recht gute Zeit, die ein wenig den Druck von meinen Fahrerkollegen nahm. Im Qualifying am Freitag ging es dann um die finale Startposition. Von wo im Starterfeld man in einen 24-Stunden-Marathon startet, ist zwar nicht maßgeblich, aber für die Fahrer ist es die letzte Gelegenheit, sich vor dem Rennen auf die Strecke einzuschießen und die zweitschnellste Rundenzeit in unserer Wertungsklasse erhellte die Gesichter aller Teammitglieder. Jetzt sind wir bereit fürs Rennen!

Dann der Samstagmorgen, endlich war der große Tag gekommen. Zwei Stunden vor dem Beginn machten wir uns auf zur Startaufstellung – bei bereits 25° Außentemperatur. Ich bemühte mich reichlich zu trinken und meinen Energielevel hochzuhalten. Das Auto wurde bestens vorbereitet und hat nie Gründe zur Beanstandung gegeben.

Ich wurde auserkoren, den Start-Stint zu fahren, dieser verlief auch prompt chaotisch. Unsere starke Leistung im Qualifying hatte uns in der Startaufstellung vor leistungsstärkeren Autos platziert, doch ich blieb ruhig, ließ mich auf keine sinnlosen Positionskämpfe ein und vermied jegliche Risiken. Nach elf Runden war ich am Führenden unserer Wertungsklasse dran und in ein Duell verstrickt. Kurz vor Ende meines Stints schreckte mich dann ein Knall auf: Ein anderes Fahrzeug hatte mich gerammt. Als ich meinen GT86 CS-Cup anschließend in der Boxengasse an Adrian übergab, zeigte sich zum Glück, dass der Schaden nur kosmetischer Natur war und sich keine weiteren Defekte fanden.

Alex hielt unser Auto durchgehend in den Top 3, doch dann kam eine Hiobsbotschaft über Funk: „Probleme mit der Kupplung.“ Erstaunlicherweise konnte das Team das Problem beim nächsten Stopp in nur fünf Minuten in den Griff bekommen. Also fuhren wir weiter und stürzten uns in weitere Kämpfe auf der Strecke.

Von da an lief das Auto bestens, das Wetter war gut, das Rennen in vollem Gange und die Nacht brach herein. Mein nächster Stint war um 1:00 Uhr fällig. Es war sehr dunkel da draußen, aber ich hatte Dank der Einstellungen, die wir zuvor an den Scheinwerfern vorgenommen hatten, eine gute Sicht. Diese stammten übrigens aus einem LMP1-Auto, sie waren der Aufgabe also locker gewachsen. Das Auto fuhr sich fantastisch, somit fiel es mir und den Anderen nicht schwer, gute Zeiten zu fahren.

Ein 24-Stunden-Rennen ist jedoch kein Zuckerschlecken. Ich war gerade Zweiter in unserer Klasse, als sich genau vor mir ein anderes Auto drehte und ich nicht mehr ausweichen konnte. Das Adrenalin wurde durch meine Adern gepumpt und der Frust wollte raus, aber es war besonnenes Handeln angesagt, denn das schwerbeschädigte Auto musste zurück an die Box. Ich war sehr enttäuscht und machte mir Sorgen, dass das Rennen für uns vorbei sein könnte. Doch das Team arbeitete unbeirrt und schnell, eine Stunde später war der GT86 CS-Cup wieder auf der Strecke und es ist, als wäre nichts passiert. Ich war unheimlich dankbar, aber auch schwer beeindruckt.

Danach war Adrian wieder am Steuer und drehte unaufgeregt seine Runden, doch der Zwischenfall hatte uns weit zurückgeworfen. Dann begann es auch noch auf einem Teil der Strecke zu regnen. Es war also Zeit, auf Regenreifen zu wechseln und einen weiteren Fahrerwechsel vorzunehmen. Ich war nach dem Unfall untröstlich, doch das Team vertraute mir nach wie vor und wollte mich wieder im Auto haben.

Ich fuhr also wieder auf die mittlerweile neblige, nasse und in Dunkelheit gehüllte Strecke – und hatte einen irren Spaß. Ich erhöhte das Tempo, denn jetzt war unsere Chance gekommen, wieder Boden gut zu machen. Die Sichtverhältnisse waren fürchterlich, trotzdem konnte ich Dank des Fahrverhaltens unseres Autos, dessen Traktionskontrolle im Regen besonders gut funktionierte, bis zu zwei Minuten schneller unterwegs sein als die Konkurrenz in unserer Klasse und stand nach 12 Runden auf Platz 4.

Ich übergab den GT86 CS-Cup an Lars und konnte mir jetzt endlich in unserem Fahrerwohnwagen etwas Schlaf gönnen. Doch dann wurde ich mit der Frage geweckt: „Willst du fahren? Platz drei ist in Reichweite, aber dazu brauchen wir deinen Speed.” Ich war zwar noch müde, doch für mein Team war ich allzeit bereit. Ich stand also auf, zog den Overall an und machte mich auf zur Box. Es ging immerhin um den dritten Platz!

Naja, vielleicht auch nicht. Denn nach gerade mal zwei Runden zog dichter Nebel auf und sorgte für den Rennabbruch. Erst nach über zweistündiger Unterbrechung wurde für die letzte Rennstunde zum Neustart aufgestellt. Die Ansage vom Team war klar: Nutze deine Erfahrung und deinen Speed, hol’ uns diesen Podestplatz!

Der Start verlief ereignislos, es herrschte nicht sonderlich viel Verkehr und die Fahrer hinter mir waren nicht sonderlich aggressiv. Nach 25 Minuten hatte ich, nun auf Platz 3 liegend, bereits fünf Minuten Vorsprung herausgefahren. Das war perfekt, mehr brauchten wir nicht, jetzt einfach das Auto ins Ziel bringen. Obwohl sich in der letzten halben Stunde der Nebel noch einmal verdichtete, blieb unser Vorsprung stabil bis zur Zielflagge. Wir hatten es geschafft!

TMG United wurde mit Alex Fielenbach, Adrian Brusius, Lars Peucker und mir am Steuer Dritter von 14 Autos in der SP3-Klasse der 2018er Ausgabe des ADAC Zurich 24h-Rennens auf dem Nürburgring, einem der legendärsten Langstreckenrennen überhaupt. Was für ein Erlebnis, wir kämpften unermüdlich und bekamen am Ende den verdienten Lohn dafür.

Ein großartiges Team, das in harten Zeiten zusammensteht! Ohne die Erfahrung, die
TMG United anderweitig im Motorsport gesammelt hat, ohne die Freundschaften innerhalb des Teams und ohne die Fahrer, wäre das alles nicht möglich gewesen. Danke vielmals an alle Beteiligten. TMG United hat sich dieses Resultat und den damit verbundenen Respekt hart erarbeitet. Und zwar derart, dass ich meinen Pokal dem Team überreicht habe. Den haben sie sich redlich verdient.

Ich bin sehr stolz darauf jetzt sagen zu können, dass ich ein Teammitglied von TMG United bin, und dass wir das 24h-Rennen auf dem Nürburgring gerockt haben!

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