TOYOTA GAZOO RACING IST WELTMEISTER

TOYOTA GAZOO Racing sicherte sich in einem dramatischen und von Wetterkapriolen beeinflussten Rennen die Teamwertung der FIA Langstrecken Weltmeisterschaft (WEC) 2018-19 vorzeitig beim vorletzten WM-Lauf der Saison, dem Total Sechs-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps.

Sébastien Buemi, Kazuki Nakajima und Fernando Alonso im TS050 HYBRID Startnummer acht bauten mit ihrem vierten Saisonsieg seit die Saison vor 12 Monaten in Spa begann die Tabellenführung in der Fahrerwertung auf 31 WM-Punkte aus – bei im Saisonfinale noch zu vergebenden 39 Zählern.

Der TS050 HYBRID mit der Nummer sieben, gefahren von Mike Conway, Kamui Kobayashi und José María López, hatte zu Anfang das Rennen angeführt, doch die Reparatur eines defekten Sensors warf das Trio auf den sechsten Platz zurück. Immerhin gelang bei Rennhalbzeit noch die schnellste Rennrunde.

Geschichte wurde jedoch bereits in den ersten Runden geschrieben, als nur wenige Minuten nach dem Start starker Schneefall auf Spa niederging, und erstmals Schnee eine Rolle in einem WEC-Rennen spielte. Bemerkenswert ist, dass das Rennen fast 30 Minuten lang unter diesen Bedingungen fortgeführt wurde, bis dann doch ein Safety-Car den Führenden einbremste, zu diesem Zeitpunkte der von der Pole-Position gestartete Mike in der Nummer sieben.

Nach 25 Minuten und bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein wurde das Rennen wieder freigegeben, hinter Mike erschien nun der Rebellion #3 als Zweiter, nachdem Sébastien bei dessen Boxenstopp Zeit verloren hatte. Doch die #8 eroberte schnell den zweiten Platz zurück und ging Ende der 19. Runde gar in Führung.

Eine weitere Safety-Car-Phase wurde durch einen Unfall ausgelöst, was wenige Augenblicke beide Autos in unerwartete Dramen stürzte. Sébastien war gezwungen einen Tankstopp einzulegen, noch während die Boxengasse wegen der Safety-Car-Phase geschlossen war, was nach WEC-Vorschriften bedeutete, dass das Team nur eine fünf Sekunden kurze Notbetankung durchführen durfte.

Mike, der im ersten Stint weniger Treibstoff verbraucht hatte, war hiervon nicht betroffen, kam gleich nach Freigabe der Boxengasse zu seinem ersten Tankstopp und ließ gleich Slicks anschrauben. Sébastien kam bald darauf an die Box, um seinen regulären Tankstopp zu absolvieren und ebenfalls Slicks auszufassen. Insgesamt hatte ihn das Malheur etwa eine Minute gekostet, was die #8 auf den 10. Platz zurückwarf.

Sébastien sorgte nun mit einer spannenden Aufholjagd für Stimmung auf den Rängen und setzte seine Slicks mit einer stürmischen Fahrt bis auf Platz zwei vor optimal ein. Als beide Autos nach dem ersten Renndrittel während einer Gelbphase zum nächsten Tankstopp samt Fahrerwechsel an die Boxen kamen, übernahm Kamui die Nummer 7 und Fernando die Nummer 8.

Nach fast drei Stunden Fahrzeit nahm das Rennen eine weitere dramatische Wendung, als die #7 ein Sensorproblem erlitt, was Kamui seinen 50-Sekunden-Vorsprung kostete. Er brachte das Auto zurück zu den Boxen, die Boxencrew arbeitete fieberhaft, um das Problem zu beheben, während Kamui das Cockpit José überließ. Der fuhr mit vier Runden Rückstand und auf Platz 19 liegend wieder auf die Strecke.

Kazuki in der #8 hatte durch das Drama am Schwesterauto die Führung übernommen, doch schon bald darauf stand für beide Autos ein Wechsel auf Regenreifen an, weil ein schwerer Hagelsturm einsetzte. Bei knapp zwei Stunden verbleibender Fahrzeit trat abermals das Safety-Car wegen der Bedingungen auf der Strecke in Aktion, dieses Mal für rund 25 Minuten.

Im Verlauf der letzten Stunde hatte José sich in die top sechs vorgekämpft und Fernando den Vorsprung an der Spitze auf über eine Runde ausgeweitet, als eine weitere Schlechtwetterfront abermals den Einsatz des Safety-Cars erforderlich machte. Letztlich musste das Rennen einige Minuten früher beendet werden, der Rennabbruch auf Grund der tückischen Bedingungen war unumgänglich.

Fernando beendete das Rennen mit einer Runde Vorsprung auf den Rebellion #3 und den SMP Racing #11, während Kamui, der die #7 noch einmal übernommen hatte, nach einer tapferen Fahrt auf Platz sechs ins Ziel kam, vier Runden hinter dem siegreichen Schwesterauto. Das Team reist nun nach Le Mans, Frankreich, um dort vom 15. bis 16. Juni das legendäre 24-Stunden-Rennen zu bestreiten.

Hisatake Murata, Teampräsident: „Meinen herzlichen Glückwunsch an alle im Team zum Gewinn der Weltmeisterschaft, das ist die Belohnung für viel harte Arbeit im vergangenen Jahr. Wir standen heute vor einem anspruchsvollen Rennen. Es tut mir leid für die Fahrer der Startnummer sieben, sie sind alle wirklich gut gefahren und es ist schade, dass sie auf Grund des Sensorproblems die Chance verloren, um den Sieg zu kämpfen. Auch die Fahrer der Nummer 8 haben trotz der Umstände gut abgeschnitten, auch ihnen meinen herzlichen Glückwunsch. Obwohl ein so dramatisches Rennen für das Team nicht einfach ist, hoffe ich, dass die vielen Fans und auch unsere Kollegen aus Köln das Rennen trotz des Wetters genossen haben. Jetzt freuen wir uns auf den Höhepunkt der Saison und ein Rennen, auf das wir uns seit Juni letzten Jahres vorbereiten: Le Mans.“

TS050 HYBRID #7

Rennen: P6, 129 Runden, acht Boxenstopps. Startplatz: Pole. Schnellste Runde: 1.57,394 Minute.

Mike Conway (TS050 HYBRID #7): „Es war eines dieser irren Rennen, verrücktes Wetter mit allen vier Jahreszeiten innerhalb von 10 Minuten. Dann hatten wir ein technisches Problem und verloren ein paar Runden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine schöne, komfortable Führung, wir waren wirklich schnell und jeder machte seinen Job perfekt. José und Kamui fuhren beide großartige Stints, um einige Positionen aufzuholen, aber mit all den Safety Car Phasen hatten wir keine Chance mehr Boden gut zu machen. Also haben wir das bestmögliche Ergebnis unter den gegebenen Umständen errungen.“

Kamui Kobayashi (TS050 HYBRID #7): „Es war ein frustrierendes Rennen für uns, denn wir hatten das Auto um zu gewinnen und alles lief bestens, bis uns das Problem ereilte. Es ist schade, aber diese Dinge können passieren und wir hatten in dieser Saison bislang kein einziges technisches Problem. Wir taten unser Bestes, um uns zurückzurunden und waren gut unterwegs, aber nach so viel Zeitverlust gab es keine realistische Chance auf eine Podiumsplatzierung. Gut gemacht an die Jungs der Nummer acht zum Sieg und natürlich einen herzlichen Glückwunsch an das Team zum Gewinn der Weltmeisterschaft.“

José María López (TS050 HYBRID #7): „Ich bin eigentlich nicht enttäuscht, weil wir alles getan haben, was in unserer Macht stand. Wir haben gezeigt, dass wir das schnellste Auto haben und das ist ein schönes Gefühl. Wir haben gut gearbeitet, alles getan, was wir tun mussten, und keine Fehler gemacht. Leider hat es nicht geklappt, aber so ist der Langstreckensport und so etwas kann passieren. Herzlichen Glückwunsch an das Team, eines der Hauptziele ist erreicht. Herzlichen Glückwunsch auch an die Nummer acht für den Sieg. Wir werden nicht aufgeben, jetzt konzentrieren wir uns auf das ganz große Ziel.“

TS050 HYBRID #8

Rennen: Sieg, 133 Runden, neun Boxenstopps. Startplatz: P2. Schnellste Runde: 1.58,056 Minute.

Sébastien Buemi (TS050 HYBRID #8): „Ein Rennsieg ist für uns natürlich sehr schön, aber es war ein schwieriges Rennen mit den wechselhaften Bedingungen. Es tut mir leid, dass die Nummer sieben dieses Problem hatte, als sie in Führung lagen. Es wäre schwierig geworden, sie zu überholen, sie hätten den Sieg verdient. Wir hatten zu Beginn des Rennens etwas Pech und ich hatte auch ein paar Funkprobleme, die auch nicht eben hilfreich waren. Es ist fantastisch für das Team, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Jetzt fahren wir mit etwas Spielraum in der Fahrerwertung nach Le Mans, aber wir nehmen nichts als selbstverständlich hin. Ich freue mich auf einen guten, fairen Kampf in Le Mans.“

Kazuki Nakajima (TS050 HYBRID #8): „Es war ein verrücktes Rennen mit verrücktem Wetter. Wir hatten großes Glück zu gewinnen, da es für die Nummer sieben sehr unglücklich lief, die Jungs tun mir leid. Wir hatten unter diesen Bedingungen einige Schwierigkeiten, so dass es einige Lektionen zu lernen gilt, damit wir auf Le Mans bestens vorbereitet sind. Es ist eine große Leistung für das Team, Weltmeister zu werden. Das war das größte Ziel hier, jetzt können wir ein wenig feiern. Wir konzentrieren uns auf Le Mans und müssen noch den Job für die Fahrer-Weltmeisterschaft zu Ende bringen. Wir wissen wahrscheinlich mehr als jeder andere, wie schwierig dieses Rennen sein kann.“

Fernando Alonso (TS050 HYBRID #8): „Das war definitiv kein einfaches Rennen, neben dem Wetter noch mit ein paar Problemen im ersten Teil. Emotional war das Rennen ein ständiges auf und ab. Das Wichtigste heute war der vorzeitige Gewinn der Weltmeisterschaft für das Team. Ich freue mich sehr für TOYOTA GAZOO Racing, dass wir genug Punkte sammeln konnten, um den WM-Titel zu holen, ein riesiger Erfolg für alle im Team. Es war eine tolle Saison für uns und hoffentlich können wir ihr in Le Mans den letzten, schönen Touch mit dem Gewinn des Fahrertitels verpassen.”

Ergebnis 6 Stunden von Spa-Francorchamps:

1. #8 TOYOTA GAZOO Racing  133 Runden  
2. #3 REBELLION RACING (Berthon/Laurent/Menezes)  +1 Runde  
3. #11 SMP RACING (Aleshin/Petrov/Vandoorne) +1 Runde  
4. #1 Rebellion (Jani/Lotterer/Senna)  +2 Runden  
5. #17 SMP (Sarrazin/Orudzhev/Sirotkin)  +3 Runden  
6. #7 TOYOTA GAZOO Racing  +4 Runden