DIE TRUCKIES: AUF FERNSTRASSEN UND RENNSTRECKEN DAHEIM

TMG  Factory 11th-12 February 2015. Cologne, Germany.

TOYOTA GAZOO Racing beschäftigt während der Langstrecken-WM-Saison drei Lkw-Fahrer als Vollzeit-Mitarbeiter, die von allen im Team liebevoll „Truckies“ genannt werden. Doch diese hart und mit leidenschaftlichen arbeitenden Team-Mitglieder haben tatsächlich einen weitaus größeren Aufgabenbereich, als es die Berufsangabe auch nur ahnen lässt. Wir ließen uns von Sven einmal über seinen Job aufklären.

Was ist dein Job in Bezug auf das Lkw-Fahren?

„Wir sind drei Truckies, Christian, Paolo und ich, die zu allen WEC-Läufen fahren. Unsere hauptsächliche Aufgabe ist es natürlich die drei Trucks zu fahren und zu betreuen: Einen mit einem Auflieger, in dem die Ingenieure ihren Arbeitsplatz haben, einer mit Ersatzteilen und der, der die Rennwagen befördert. Denn wir haben noch zusätzliche Trucks, wie viele insgesamt an der Strecke gebraucht werden, hängt von der Veranstaltung ab. In Le Mans hatten wir insgesamt acht Trucks im Einsatz, aber das ist ja auch ein außergewöhnliches Rennen. Unsere Arbeit dreht sich rund um die WM-Läufe, aber auch den Testfahrten vor und während der Saison, also sind wir über das ganze Jahr hinweg ausgelastet.“

Wie organisierst du deine Aufgabe vor einer Veranstaltung?

„Wir bereiten bei TMG in Köln alles für das nächste Rennen oder die nächste Testfahrt vor. Wir nehmen auch die Wartung unserer Gerätschaften selbst vor, was ja auch wichtig ist. Wenn zum Beispiel ein Teil der Ausrüstung defekt ist, dann nehmen wir die Reparatur vor, generell versuchen wir aber alles in top in Schuss zu halten. Einer, und meist ist das Christian, kümmert sich um den Zustand der Reifen, reinigt die Felgen und wechselt die Ventile aus. Wenn alles an Material bereit steht, was bei einem Rennen oder einer Testfahrt so benötigt wird, nehmen wir die Verladung vor – was nicht immer eine einfache Sache ist.“

Und dann?

„Dann beginnt Teil zwei der Arbeit, nämlich den Lkw zu seinem Bestimmungsort zu fahren. Abhängig davon, wohin wir fahren und wie weit die Anfahrt ist, fährt auf jedem Truck ein Mann allein, oder eben ein Ersatzfahrer mit. Am Zielort angekommen, fahren wir direkt zur Rennstrecke. Handelt es sich um eine Rennveranstaltung, müssen wir darauf warten unseren Platz im Fahrerlager zugeteilt zu bekommen. Wir müssen auf dem Weg zum Fahrerlager manchmal über die Strecke fahren und somit gelegentlich warten, bis der Zeitplan dies erlaubt. Erst wenn wir unsere Position eingenommen haben, kann mit dem Aufbau begonnen werden. Bei Testfahrten sind wir meist allein an der Rennstrecke und können damit gleich nach der Ankunft beginnen.“

Fährst du immer den selben Truck?

„Die meiste Zeit schon. Es ist der Große, ein Doppeldecker, wir nennen ihn den ‚Ingenieurs-Truck‘ oder ‚Büro-Truck‘. Man braucht rund fünf bis sechs Stunden, bis man ihn vor Ort komplett aufgebaut hat. Gleichzeitig entladen meine Kollegen die anderen Trucks und beginnen mit dem Aufbau der Boxen-Einrichtung. Generell sind wir Truckies dabei auf uns selbst gestellt, doch sind die Mechaniker bereits vor Ort, dann packen die mit an. Am ersten Tag stellen wir die Grundausstattung in der Box auf, Tags darauf können die Mechaniker bereits darin an den Rennwagen arbeiten, während wir uns noch um die Feinheiten der Ausstattung kümmern.“

Was ist dein Job in Bezug auf das Lkw-Fahren?

„Im Verlauf eines Rennwochenendes haben wir drei Aufträge zu erfüllen. Der eine bereitet die Reifen für die Rennwagen vor, der andere bereitet den Treibstoff vor. Christian arbeitet mit den Rennreifen und muss jeden Reifensatz parat haben, wenn die Ingenieure Bedarf melden. Paolo und ich betanken die Rennwagen, allerdings ohne sie auch nur anzufassen. Unsere Aufgabe ist es die Betankungsanlagen zu befüllen, die bei den Boxenstopps zum Einsatz kommen. Ich bekam den Spitznamen ‚toter Mann‘. Das kommt daher, das ich lediglich das Verschlussventil kontrolliere und nicht wirklich zu den am Auto arbeitenden Mechanikern zähle – was zugegeben kein allzu netter Spitzname ist!“

Und nach dem Rennen?

„Nach dem Rennen müssen wir wieder alles einladen und zurück nach Köln fahren. Also die Reifen, den restlichen Sprit, Werkzeuge und Ersatzteile – eben alles. Die Lkws müssen noch am Rennsonntag wieder beladen sein, bevor wir uns schlafen legen. Normalerweise verbringen wir die letzte Nacht noch im Hotel, bevor es dann am Morgen nach Köln geht und sobald wir dort ankommen, wird gleich abgeladen. Das muss alles zügig gehen, den meist warten die Ingenieure und die Mechaniker schon auf die Autos und haben daran zu arbeiten. Manchmal bleibt aber selbst dafür keine Zeit, etwa wenn auf ein Rennen Testfahrten folgen.“

Bist du schon einmal zwischen Köln und dem jeweiligen Zielort in Schwierigkeiten geraten?

„Ja, manchmal erlebt man da so seine Überraschungen. Einmal haben wir über Nacht Rast gemacht und als wir am Morgen weiter fahren wollten, war kein Sprit mehr im Tank! Jemand hat uns den Treibstoff aus den Tanks geklaut. Wir haben keine Angst davor allein zu reisen, aber bei den Zwischenstopps muss man vorsichtig sein. Natürlich sind wir uns der Werte bewusst, die wir da transportieren.“

Würdest du diesen Job für einen anderen aufgeben?

„Ich begann hier 2002 zu arbeiten, vorher war ich Mechatroniker in einem Autohaus. Ich mag meine Arbeit innerhalb des Teams. Zum einen mag ich es den Truck von einem Ort zum nächsten zu fahren, zum anderen gefällt es mir ein Teil des Teams zu sein, wenn es zur Sache geht. Ich habe sozusagen zwei Jobs in einem und würde das gegen keine andere Arbeit tauschen.“