MEET THE TEAM – RACE MECHANICS

Le Mans TestIn unserer neusten Folge von Berichten, die ein wenig das Geschehen hinter den Kulissen von TOYOTA Racing beleuchten, beschreiben wir den Alltag unserer Rennmechaniker, die sich bei TOYOTA Motorsport GmbH (TMG) für die Betriebsbereitschaft unserer Rennfahrzeuge verantwortlich sind.

Andreas, Jan und Alex sind Teil unseres Mechaniker-Teams, das sich um den Aufbau und Demontage unserer Prototypen und Rennwagen kümmert. Ihr Job wird dabei oft als Traumjob angesehen. Die Faszination Motorsport (er)leben zu dürfen, gepaart mit Reisen an faszinierende Rennstrecken auf der ganzen Welt erscheint auf den ersten Blick als sehr erstrebenswert. Aber was steckt wirklich hinter diesem Job? Ein ganzes Stück harte Arbeit und Disziplin! „Du muss den Job wirklich wollen. Es nur für 1-2 Jahre zu machen, weil es vielleicht ´cool´ ist, wird dich an deine Grenzen bringen. Den Job musst du leben, um gut zu sein und nicht vorzeitig das Handtuch zu werfen“ sagt Jan.

Der Job als Rennmechaniker bringt eine besondere physische sowie psychische Belastung mit sich. Die WEC beinhaltet eine Serie an Langstreckenrennen, zu deren Höhepunkt die 24h Le Mans zählen. Die Renndistanz bei Langstreckenrennen birgt viele potentielle Fehlerquellen und belastet das Material. Bei einem Schaden am Fahrzeug ist das Rennen nicht automatisch zu Ende. Schafft es das Fahrzeug in die Box zurück, wird es für die Mechaniker erst richtig stressig. Die Reparaturen sind unter einem enormen zeitlichen Druck zu meistern. Jeder Handgriff muss jetzt sitzen.

Ziel ist es, das Fahrzeug so schnell wie möglich wieder zurück auf die Strecke zu bringen, denn am Ende entscheiden – auch bei der Langstrecke – oft nur wenige Sekunden über Sieg und Niederlage. Teilweise arbeiten 10 Mechaniker parallel an einer Ecke am Fahrzeug. Hier kommt es darauf an, im Team zu funktionieren und nicht die Nerven zu verlieren.

Erst wenn das Auto in der Startaufstellung steht, können unsere Mechaniker kurz durchatmen, bevor dann im Rennen die Routinestopps folgen. Beim Boxenstopp steigt der Adrenalinpegel erneut an. „An manchen Tagen erreicht man sicherlich sein persönliches Limit. Trotzdem muss ein fehlerfreies Arbeiten gewährleistet werden. Dies ist nur möglich, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist“ sagt Andreas. „Die Fahrer geben 100% und verlassen sich auf uns, wenn sie am Limit unterwegs sind.“

Mit Rückschlägen muss jederzeit gerechnet werden. Jan merkt an, das es „an der Strecke teilweise sehr emotional ist. Es steckt viel Arbeit und Zeit im Auto. Bei dem Ausfall in Le Mans in Führung liegend, haben auch wir Männer mal ein Tränchen verdrückt.“

„Die Arbeit bei TMG hat auch meine persönliche Entwicklung sehr geprägt. Ich habe mit den Jahren zu mir gefunden und bin wesentlich ruhiger geworden. Denn um den Job erfolgreich auszuüben, muss man in der Lage sein, auch in stressigen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren“ sagt Andreas.

Er und Jan begannen bei TMG schon vor der Formel 1-Ära als Rennmechaniker zu arbeiten. Alex ist erst im letzten Jahr zu dem Team dazu gestoßen. „Ich war früher selbstständig und habe besonders in den Wintermonaten viel für mich alleine gearbeitet. Umso mehr war ich beeindruckt davon, wie gut ich von dem Team aufgenommen wurde. Das Zwischenmenschliche wird hier sehr stark gefördert. Ich würde mir wünschen, dass mehr von diesem positivem Arbeitsklima auch nach außen getragen wird, da dies im professionellen internationalen Motorsport nicht als selbstverständlich angesehen werden kann. Meine langjährige Erfahrung für unterschiedlichste Teams hat mich dies gelehrt“ sagt Alex.

Das ganze Jahr folgt einem regelmäßigen Zyklus. Angefangen mit den ersten Testeinsätzen zum Jahresbeginn, gefolgt von den ersten 6h Rennen hin zum Saisonhöhepunkt 24h Le Mans in der Mitte des Jahres, bevor es nach einer kurzen Verschnaufpause zu den Überseerennen geht. Bei europäischen Testfahrten bzw. Rennen wird das Fahrzeug zunächst von unseren „Truckies“ zur Strecke gebracht. Da Andreas einen LkW-Führerschein besitzt, nutzt er gerne die Möglichkeit, diese Aufgabe mit zu übernehmen. „Die Möglichkeit bei TMG neben der Mechaniker-Tätigkeit den Team-Truck fahren zu dürfen, erfüllt mich zusätzlich, da ich aus dem Nutzfahrzeug-Bereich komme. Mein Vater war Kraftfahrer. Besonders bei Testfahrten ist die Tour zur und von der Strecke ein absolutes Highlight.“ 

Bei den Testfahrten werden verschiedene Optionen und Einstellungen getestet. Boxenstopps werden bis zum Exzess trainiert. „An der Strecke geht alles zeitlich ineinander über. Die Anspannung ist durchgehend spürbar. Das Adrenalin, das durch die Adern fließt, treibt einen zu Höchstleistungen an. Ich bin süchtig danach!“

Langweilig wird es sicherlich nie! Der aufregendste Aspekt der Arbeit als Rennmechaniker ist gewiss, dass die Arbeit einen sehr direkten Einfluss auf das Renngeschehen hat. Eine der größten Herausforderungen ist es, die Fehlerquellen zu minimieren und das aus der operativen Praxis und der über Jahre gesammelten Erfahrung erlangte Wissen aktiv durch Änderungs- und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Abteilungsübergreifend ist eine enge Zusammenarbeit und gute Kommunikation besonders wichtig.

Es wird deutlich, dass der Job als Rennmechaniker ein hohes Maß an Kommunikation, Koordination, Stressresistenz und mentaler Stärke verlangt. Eigenständiges Arbeiten, ein hohes Maß an Flexibilität, Problemlösungsfähigkeit und Zuverlässigkeit sind für den Job als Rennmechaniker bei TMG unabdingbar.

Weil ein funktionierendes Team Grundvoraussetzung für den Erfolg ist, wird großen Wert auf gutes Teamwork und das Wohlbefinden der Mitarbeiter bei der Arbeit gelegt. Angefangen von der Infrastruktur, über Schulungen und Weiterbildung bis hin zu Sonderleistungen. Andreas erinnert sich noch gut an seine ersten Eindrücke: „Ich war sehr verblüfft, als ich an meinem ersten Arbeitstag zum ersten Mal die Werkstatt betreten habe. Ein solches Umfeld kannte ich bis dato nur aus den Lehrfilmen.“ Er fügt hinzu: „Ich habe hier nach meiner Ausbildung als NFZ-Mechaniker von der Pike auf neu gelernt. Die ersten Jahre waren defintiv Lehrjahre.“

Einen großen Teil des Jahres verbringt man im Hotel – fernab von Familie und Freunden.

Für viele ist TMG zu einer zweiten Familie geworden. „Die Vorzüge als Rennmechaniker bei TMG arbeiten zu dürfen, liegen definitiv in der familiären Atmosphäre. Wir sind kein großer Konzern. Bei uns geht es um die Freude am Motorsport. Der Teamgeist ist einzigartig. Und auch die Leistungen, die wir hier erhalten, sind sehr gut. Die Kantine, das Fitnessstudio, die Sportgruppen… machen das Ganze zu einem runden Paket“ merkt Jan an.

„Natürlich ist die Konzentration bei der Arbeit für uns sehr wichtig. Aber es darf auch mal gelacht werden. Wir haben Spaß miteinander bei der Arbeit, Abends läuft auch Musik in der Box“, sagt Jan. „Wir sind halt TMG!“

Der gemeinsame Kampf um den Sieg, das ist es, was unsere Rennmechaniker antreibt und selbst manchmal stressige Situation souverän meistern lässt.

Man kann es auch wie folgt zusammenfassen: “Ich kann mir als Mechaniker keinen besseren Job vorstellen” sagt Andreas. Und Jan fügt hinzu: „Ich bin stolz für TMG arbeiten zu dürfen.“

„Wir leben von unseren Leuten!“ – und so sind auch die Anforderungen an ein neues Teammitglied hoch. Es wird deutlich: Neben den fachlichen Qualifikationen darf die menschliche Perspektive keinesfalls fehlen!